Gut geblökt, lieber Kollege!

Verfasst am 28.09.2014 von

Es ist schon merk-würdig. Da kommen Business-Leute aus dem Finanzsektor aus der Geldhauptstadt Frankfurt in die Provinz und glauben das sie hier alles für nen Appel und en Ei bekommen! Weit gefehlt, liebe Banker und Finanzfuzzis. Die Provinz hat was zu bieten. Und das kostet eben. Und wir sind selbst-bewusst! Lesen sie hier wie mein Kollege Stephen Dietz vom Flörsbacher Hof im Spessart auf eine dreiste Anfrage reagierte.

Fazit:  Manchmal ist es besser keine Geschäfte zu machen.

Noch kurz zum Grund dieses Blöks: Neulich waren auch bei uns Banker aus Frankfurt. Meine Azubine berichtete mir leichenblass von den Pausengesprächen über uns: „Die erlauben sich hier echt einiges, solche hohen Preise zu verlangen!“ Oder: „Wir sind hier doch am A. der Welt. Ganz schön frech, die Preise hier!“ Oder: „Ganz schön viel los in dieser abgelegenen Location!“ Noch Fragen?

Die Mail eines Bankers:

Sehr geehrte Damen und Herren, hatte im Juli eine Reservierung für den 8.11.2014 vorgenommen. Dabei wurden 5 DZ reserviert sowie ein Gansessen für 12 Personen. H. Müller (Name geändert) hatte sich die Option auf ein weiteres DZ erbeten. Statt des DZ wird nun ein EZ benötigt, da ein Teilnehmer nicht übernachten wird. Ich bitte mir ein entsprechendes Angebot zu unterbreiten. Ich würde mich freuen, wenn sie mir beim Übernachtungspreis etwas entgegenkommen würden. Einen Zuschlag von fast 40% im Vergleich zum Preis des DZ gem. Ihrer Internetseite (p.P. 58€ zu 42€) ist selbst für Frankfurter Verhältnisse ungewöhnlich. Vielen Dank und einen sonnigen Tag.

Dien Antwort des Wirtes:

Sehr geehrter Herr Otto, vielen Dank für Ihre Nachricht. Wenn Sie bei diesem Gänseessen dabei sein und bei uns übernachten möchten, werden wir von Ihnen 58,00 EUR für das Einzelzimmer inkl. Frühstück verlangen. Spessarträuber kennen auch bei Commerzbänkern kein Pardon! Allerdings habe ich und meine Kollegen, so noch kein Zimmer kalkuliert! 58,00 EUR anstatt 84,00 EUR sind bei mir rund 30% Ermäßigung! Wir heizen ja nicht nur zur Hälfte, bei den Lampen nehmen wir auch keine heraus und unsere Reinigungskraft putz ebenfalls das ganze Zimmer. Der einzige Unterschied zu einer Vermietung als Doppelzimmer ist die Bettwäsche, zwei Handtücher, etwas mehr Wasser zum Duschen und das zweite Frühstück. Würde ich meine Zimmerpreise nach Ihrem Model verkaufen bekäme ich vermutlich auch von der Commerzbank keine Finanzierung!

Zum Vergleich die Zimmerpreise in Frankfurt – alle schlechter bewertet wie wir und ohne Frühstück (Grafik nicht eingefügt)

…möchten Sie nun ein Zimmer bei uns haben und beim Gänseessen von Kinzigtaler Freilandgänsen dabei sei, oder darf ich das Zimmer, evtl. sogar als Doppelzimmer für 84,00 an einen anderen Gänseliebhaber weitergeben? Mit herzlichen Grüßen  Stephen Dietz

Die Antwort des Bankers folgte auf dem Fuß:

Hallo, vielen Dank für die ausführliche Erläuterung. Als Kunde interessiert mich der p.P.-Preis. Dass Sie ein DZ als EZ nutzen, ist ihre Entscheidung. Kurz: Selbst als Commerzbankler möchte ich mir diesen Luxus nicht leisten. So kann sich außerdem eine Freilandgans weiter ihres Lebens freuen.

Mit freundlichen Grüßen

ENDE

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