Laufen und Saufen

Verfasst am 24.06.2015 von

Ziemlich provokativ, der Titel. Ist aber nicht so gemeint. Aber das ist mir echt jetzt spontan eingefallen. Wollte ihn schon wieder verwerfen. Zu spät. Die Titelidee entstand als ich die Bierbrau-Erlebnisse meines Freundes und Laufexperten Frank gelesen habe. Und diese so klasse geschrieben fand – das daraus nun ein Blök wird…

Denn für Frank (im Bild rechts neben meinem Brau-Guru HaLu Straub) war es ein Herzenswunsch einmal beim Bierbrauen dabei zu sein. Und ziemlich kurzfristig wurde dieser Wunsch erfüllt. Für die Sommerzeit stand die Entstehung der Bierspezialität „Rock me Emmer“ auf dem Programm. Ein Bier das mit einem ungewöhnlich hohem Anteil von Emmer gebraut wird. Ein Urgetreide. Sündhaft teuer – und abenteuerlich lecker. Ab 17. Juli im Ausschank. Das Sommerbier. Nicht nur für Läufer.

Hier nun der Live-Bericht vom Frank:

Mitte Juli ist es wieder soweit. Vom 17. zum 19. Juli 2015 wird im Dreiländereck der Hessisch / Thüringisch und Bayrischen Rhön ein anspruchsvoller Halbmarathon in ein kulinarisches Erlebnis-Wochenende eingebettet. Als Veranstalter treten das Rhönschaf-Hotel in Ehrenberg-Seiferts und der Laufladen Erfurt in Erscheinung. Beide Geschäftsinhaber, Jürgen Krenzer und Frank Lehmann, sind seit Jahren eng befreundet. Der Lauf und die Rahmenbedingungen müssen selbstverständlich langfristig und vor allem gut vorbereitet werden. Und jetzt fängt das Ganze an, interessant zu werden. Jeder denkt an Streckenauswahl und – präparation. Aber weit gefehlt. Die Strecke ist bewährt und führt kuppig von Birx entlang der ehemaligen Grenze über das Schwarze Moor mit seinen Holzbohlenstegen, einen Aussichtsturm hinunter nach Wüstensachsen resp. Melperts und im Tal weiter entlang der Ulster zurück zum Hotel. In die Laufstrecke sind ortskundige Erklärungen von Jürgen, „barfüßige“ Einlagen über das hohe Polster, eine „stilistischen Bergwertung“ ebenso eingebettet, wie eine ausgiebige „Brotzeit“ bei einer Rhönschäferin.

Aber das Wochenende hat ja noch mehr. Genuss heißt auch hauseigenes Bier genießen. Jürgen braut seit ca. 9 Jahren sein eigenes Hotelbier in der Brauregion Deutschlands, in Franken. Fünf mal jährlich findet er sich für zwei Tage in der Brauerei Drei Kronen Memmelsdorf ein und kreiert sein „Krenzer Bier“. Jahrelang war es mein Wunsch, auch an dieser Art von Laufvorbereitung beteiligt zu sein. Deshalb durfte ich auf Einladung meines Freundes Jürgen kurzfristig am 8. und 9. Juni am Brauprozess des neuen „Krenzer – Bieres“ teilnehmen, welches zum Rhönschaf-Erlebnislauf erstmalig im Ausschank sein wird. Braumeister „HaLu“ Straub von der „Brauerei Drei Kronen Memmelsdorf“ war ein begnadeter Gastgeber und Lehrmeister. Am Montagabend stand, natürlich bei einem Bierchen, eine initiale Beratung zu den verwendeten Malzen, aus denen sich Stammwürze, Farbe und Geschmack des Bieres ergeben, im Mittelpunkt. Ich war erstaunt, wieviel Fingerspitzen – und Bauchgefühl sowie Lebens – und Brauerfahrung dabei ausschlaggebend waren. Weitere Vorbereitungen wurden anschließend umgesetzt, so u.a. das Schroten der verschiedenen Malzsorten und das Umfüllen der übrigens extra aus der Rhön mitgebrachten 1000 Liter weicheren Bergquellwassers aus Jürgens Transporter in den Sudkessel.

Dienstagmorgen begann recht früh das Einmaischen und minutiöse Erhitzen des Ausgangsproduktes im vorgeheizten Kessel. Über verschiedenen Temperaturstufen schloß sich das Malz zunehmend auf. Später standen dann die Trennung von Trester und Maische im Mittelpunkt, was mehrfaches Umpumpen von dem einen in den anderen Kessel notwendig machte. Gut, wer die ganzen Hebelchen und Ventile genau kennt, sonst fließt Irgendetwas in den falschen Bottich oder gar den Abfluß ! Auch Profis sollen schon mal Fehler gemacht haben…

Zwischendurch erfolgten permanente Sicht – und Geschmackskontrollen zur Farbe und Stammwürze. Alles per Hand, ohne Elektronik – und es geht auch so. Wieder zuzück im ersten Sudkessel erfolgte die Zugabe des Hopfens, diesmal mit der Waage austariert. Ein nochmaliger Kochvorgang schloß den Vorbereitungsprozeß ab, bevor das „halbfertige Bier“ in das zuvor von mir in mühevoller und schweißtreibender Kleinarbeit gereiningte „Kühlschiff“ eingeleitet wurde. Eine Technik, die übrigens nur noch sehr vereinzelt in Brauereimanufakturen zum Einsatz kommt. Das heißt, das Ausgangsprodukt kühlt nach dem Kochvorgang in einer großen, offenen Wanne längerfristig ab, nimmt weiter Sauerstoff auf und gibt Schadstoffe durch die Deckenlüftung ab. Die europäischen Richtlinien ( geschlossene Kühlsysteme ) richten eben doch früher oder später alles Althergebrachte und Bewährte zugrunde. Übrig bleibt nur „Gleiches“, weil alles uniform und gleichgeschaltet ist ! Und sind wir ehrlich, so schmecken doch auch alle konsumigen Massenbiere…

Damit ist „Krenzers Bier“ zum Rhönschaf-Lauf aber längst noch nicht fertig, unsere vorbereitende Arbeit jedoch getan. „HaLu“ wird nach Ende des Abkühlungsprozesses alles in die Gärungstanks umpumpen und die Bierhefe zusetzen. Die wandelt dann während der nächsten Wochen den Zucker in Alkohol um und läßt das Bier zum Endprodukt ausreifen. Mitte Juli erst wird es für uns drei Beteiligten interessant, dann wird sich zeigen, ob uns alles gelungen ist. Wobei, „HaLu“ kann ja zwischendurch schon mal „Zwickeln“. Da ist er uns zweifelsfrei einen gewaltigen Schritt voraus. Übrigens wird das Bier nicht filtriert und auch nicht pasteurisiert. Was kann man sich als Läufer und Universalsportler Besseres zum Elektrolytausgleich wünschen…

Lassen Sie sich beim Lauf Mitte Juli überraschen, wie unser gemeinsames Produkt gelungen ist. Und vor allem, buchen Sie möglichst schnell die letzten, verfügbaren „Kuschelschäferwagen“ resp. Zimmer im Rhönschaf-Hotel…

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