Der „Ausmäher“ des Hochrhöners

Verfasst am 15.03.2010 von

Es gibt keine Zufälle. Und wenn es tatsächlich welche gibt, dann begünstigen sie den vorbereiteten Geist. Will heißen: Man hat selbst auch maßgeblich Einfluß auf den Zufall. So zumindest meine Theorie. Und meine Praxis. Denn gestern, am 14. März 2010 ereignete sich Folgendes:

Es ist 19.45 Uhr. Wir (also meine 3 Mäxe und samt Frau Sylvi) sind gerade von einer 24stündigen Hochzeits-Tag-Auszeit aus dem Thüringer Wald zurückgekommen. Die müden Kinder bringen wir fix ins Bett – und gehen noch einmal kurz in unser kleines schnuckliges Hotel. Eigentlich wollen wir nur kurz schauen, ob etwas Wichtiges anliegt und dann den Sonntagabend „lammsam“ ausklingen lassen. Doch es sollte anders kommen (wie so oft…). Denn Andrea erzählt mir, das ein Gast in der Rhönstube mich gerne sprechen möchte. Hmmm…, denke ich. Bestimmt ein Kollege. Aber das stimmte nicht. Denn die meisten Kollegen kommen – das habe ich neulich von einem persönlich erfahren – am Nachmittag zum Kaffee vorbei. Weil Kaffee ja auch unsere absolute Spezialität ist. Das verstehe wer will…

Dieser Gast hat sich mit seiner Frau und einem befreundeten Pärchen jedoch bei uns einquartiert. Gespannt gehe ich an den Tisch und spreche ihn an. Er sagt: „Wir kennen uns! Vom Hochrhöner!“ Ich antworte: „Das kann sein. Ich kenne jede Menge Leute. Aber…“ Er lässt mich nicht hängen und sagt: „Ich bin derjenige, der in ihrem Buch „Ein Rhöner auf dem Hochrhöner“ als „Ausmäher des Hochrhöners“ vorkommt!“ Jetzt macht es bei mir „Klick“ und ich bin total perplex! Klar! Da gab es einen Typen, den haben mein Freund Harald und ich bei unserer legendären 2007er Hochrhöner-Tour kennengelernt. Und über diese Tour habe ich dann das Büchlein „Ein Rhöner auf dem Hochrhöner“ geschrieben.

Hier ist der Textauszug:
…auf dem Weg zum See treffen wir einen Mann, der im Auftrag des Landratsamtes Bad Kissingen diesen Weg ausmäht. Solch eine Dienstleistung hätte ich mir im Landkreis Schmalkalden-Meiningen gewünscht. Dann hätte ich meine Kamera auch viel schneller wiedergefunden. Oder erst gar nicht verloren. Als wir ihn im Vorbeilaufen grüßen, fragt er uns, ob wir den Hochrhöner laufen. Hey, da interessiert sich einer für uns! Und jetzt kommts: Die besten Leute arbeiten immer noch an der Basis. Denn dieser Hochrhöner-Ausmäher ist diesen Weg – im Gegensatz zu seinen Vorgesetzten im Landratsamt, also Landrat inklusive – schon komplett gelaufen. Und zwar kurz nach der Eröffnung. Respekt! Und er fragt uns sofort nach der Beschilderung. Jetzt dauert das Gespräch doch ein paar Minuten länger. Und es tut gut, jemanden zu treffen, der Verständnis für die kleinen und großen Probleme von Hochrhöner-Erwanderern hat…

So. Und dieser Mensch steht jetzt vor mir. Nein, er sitzt! Klasse! Hätte ich so nicht erwartet. Also ich meine, wenn man solch ein (durchaus kritisches, aber äußerst humorvolles) Buch über seine Heimat schreibt, dann erwartet man nicht, das ein am Rande vorkommender „Ausmäher“ zweieinhalb Jahre später bei einem logiert. Und sogar noch mein Buch gelesen hat!
Er sagt: „Im Gegensatz zu vielen anderen bin ich in ihrem Buch ja richtig gut weggekommen!“ Ich muss grinsen. Naja, so einige Missstände entlang dieses Premium-Wanderweges habe ich gnadenlos dokumentiert. Und ich muss zugeben: Es hat sich wahnsinnig viel getan. Und selbst Politiker und Tourismusfunktionäre sind diesen Weg mittlerweile gelaufen. Und haben es scheinbar überlebt.

Ich setze mich zu ihm an den Tisch und wir plaudern über die Rhön, Rhöner Produkte und auch über die Dachmarke Rhön. Ob wir auch bei dieser Dachmarke mitmachen, will jetzt der „Ausmäher“ von mir wissen. Oh nein, nicht schon wieder dieses leidige Thema, denke ich bei mir. Aber ich sollte ihm jetzt antworten und gebe zu, das ich bei der Rhöner Dachmarke nicht mitmache. Und auch in Zukunft nicht daran denke. Ich erkläre ihm, das es nicht sein kann, das führende Dachmarken-(Vorzeige)Betriebe Lidl-Wasser im Angebot haben. Und die Kontrollen, wer wieviel Rhöner Produkte im Angebot habe und wo er sie einkaufe, seien nicht wirklich nachvollziehbar. Immer da, wo viel kontrolliert werden muss, ist meistens was faul. Denn sonst würde man ja nicht kontrollieren. Man muss das Thema „Rhön“ schon richtig leben – das macht die Marke. Da das Leben viel zu kurz ist, um sich mit Dachmarken und ähnlichem Schwachsinn zu beschäftigen, hole ich erst einmal fünf ApfelSherry. Denn wir sollten jetzt einmal anstoßen. Auf den Zufall. Den es ja nicht gibt. Und auf den Hochrhöner. Und darauf, das man sich im Leben mindestens zweimal sieht…

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